Klassenfahrt in die Vergangenheit: Auschwitz und Birkenau haben uns erschüttert

„Arbeit macht Frei“. Einen zynischen Schriftzug den sechs Millionen Menschen auf dem Weg zum Tod gesehen haben. Bei unserer Ankunft konnten auch wir bei unserer Studienfahrt vom 15. bis 19. Mai nach Oswiecim/Auschwitz (Polen) diesen Schriftzug auf den Weg in das ehemalige KZ-Stammlager betrachten. Für uns, die Schüler der Ostseeschule Ückeritz, war eine Fahrt dieser Art das erste Mal. Unsere beiden Geschichtslehrer begleiteten uns achtzehn Schüler auf dieser Fahrt, wofür wir uns bewerben mussten. Wir hatten die Möglichkeit uns das Gelände sowie die Blöcke, in denen die Insassen – vor allem Juden –  gefangen gehalten wurden, anzusehen. Heute befinden sich in diesen Blöcken Ausstellungen, die dazu dienen, sich die damaligen Verhältnisse besser vor Augen führen zu können. Das gelang auch durch die Guides Teresa Miloń – Czepiec und Anna Kiesell, die die Informationen gut für uns aufgearbeitet haben. In diesen Gebäuden des ehemaligen Konzentrationslagers wurden viele Informationen für uns Schüler veranschaulicht und passend dargestellt.

Beispielsweise konnten wir in einen der Blöcke auf einen Berg, bestehend aus zwei Tonnen Haare der damaligen Insassen, schauen. Erschütternd kann man nur sagen. Zudem wurden weitere Gegenstände die den Insassen abgenommen wurden, dort ausgestellt. So ein Berg aus 40.000 Schuhen und weiteren Alltagsgegenständen. In einem anderen Raum befand sich ein Buch, welches diesen Raum auch komplett füllte. In diesem Buch stehen 4 Millionen identifizierte Juden, die beim Holocaust umgekommen sind. 2 Millionen fehlen noch. ,,Die Stimmung war bedrückt und es war eindrucksvoll, da  zu stehen, wo einstmals das Grauen stattfand“,  so Mitschülerin Matylda Wießmann (16).

Nach der Führung durch das Stammlager Auschwitz sind wir zu unserer Unterkunft, der katholischen Schule Hotelik Salezjanie, gefahren, um die gesammelten Eindrücke zu verarbeiten. Anschließend besuchten wir einen Workshop zum Thema Sinti und Roma, ebenfalls Insassen des KZ´s. Einen Tag später besuchten wir das Vernichtungslager Birkenau. ,,Die Größe des Geländes war überraschend. Es gab viele Baracken und es hat mich schockiert, dass das Gelände so ausgebaut wurde, ohne das es jemand gemerkt hat oder merken wollte,“ meint Monique Handrich (15).

Beim Betreten des Geländes sahen wir das sogenannte ,,Tor des Todes“, wo der Zug durchfuhr, in deren Waggons die vielen Menschen eingepfercht waren, die der Tod erwartete. An der sogenannten Judenrampe mussten sie aussteigen, wo über Tod und Leben durch die SS entschieden wurde. Dort befand sich auch heute noch ein alter Waggon, mit dem die Menschen über Tage unter schlechten Bedingungen transportiert worden waren.

Im weiterem Verlauf des Rundganges sahen wir fünf zerstörte Krematorien und einen See, in dem die Asche der Leichen entsorgt wurde. Zudem gab es ein zum Nachdenken anregendes Mahnmal. Am Ende unserer vierstündigen Führung sahen wir die Frauen- und Familienbaracken, in denen viele Juden sowie Sinti und Roma untergebracht waren.

,, Als ich die Frauenbaracken sah, habe ich mich gefragt, wie die Frauen dort alle reingepasst haben und wie eng es dort gewesen sein muss. Es ist für mich unvorstellbar, wie die Menschen die Hitze im Sommer bei der Arbeit ausgehalten haben ohne Essen und Trinken.“, meint Nikolas Borgmann (17) erschüttert.

Immer wenn wir in unsere Unterkunft zurückkehrten, sprachen wir über die neu gewonnenen Informationen. Am Donnerstag besuchten wir die Stadt Krakau. ,,Krakau ist eine Stadt mit besonderen Charme. Ein Tag hier vergeht sehr schnell, weil es viel zu sehen gibt.“ meinte Lehrerin Anne Lorber (28) mit Bedauern. Zunächst besuchten wir das ehemalige jüdische Viertel von Krakau, in dem sich eine Synagoge und ein sehr alter jüdischer Friedhof befinden. Beide Orte konnten wir besuchen. Zudem schauten wir uns Drehplätze des Films ,,Schindlers Liste“ an. Nach einer kurzen Mittagspause in der Altstadt ging es weiter ins ehemalige Ghetto. ,,Ich bin von der Stadt sehr beeindruckt. Vor allem von dem Kontrast der modernen Gebäude an der Weichsel und denen der herrlichen Altstadt“, sagt unser Lehrer Holger Srama (55).  Anne Lorber kam aus dem Schwärmen nicht hinaus: „Eine wunderschöne Altstadt mit einer spannenden Geschichte.“ Doch bei dem Gedanken an die schrecklichen Taten der Nazis hatte sie ein beklemmendes Gefühl: ,,Erschreckend, wie die Juden aus dem öffentlichen Leben getrieben und massenweise ins kleine Ghetto deportiert wurden.“ Das alles vor Ort zu erleben, sei „unheimlich eindrucksvoll und mahnt dazu, nicht zu vergessen“.

Unser letzter Programmpunkt war der Besuch der Emaillefabrik von Oskar Schindler. Dort gibt es eine Ausstellung zu Krakau während der Okkupationszeit 1939 bis 1945. ,, Das Oskar Schindler-Museum war modern, interessant und informativ aufgebaut,“ so die Meinung bei uns Schülern. Nach der Museum-Visite ging es für uns in die Altstadt Krakaus, wo wir individuelle Freizeit hatten.

Leon Börner (16) war zufrieden: ,, Die Fahrt war ein voller Erfolg. Auschwitz und Birkenau muss man gesehen haben und vor allem zusammen, um es besser verstehen zu können.“ Der Geschichtslehrer Srama würde sich den Programmpunkt Wawel, den Krönungsort der polnischen Geschichte, im zukünftigen  Programm wünschen. Lisa Zanoni (16) ist der Meinung: ,, Mehr Schüler in unserem Alter sollten solche Orte besuchen, um die Situation von damals besser verstehen zu können.“ Dank dem Land Mecklenburg-Vorpommern, das uns die Fahrt nach Auschwitz ermöglicht und finanziert hat.

Anna Radünzel, Klasse 10a

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